Geschichte bis 15. Jh. Die Geschichte der Insel liegt weitgehend im Dunkeln - verschiedene Seefahrer sollen aber bereits dort gewesen sein. 1598 Landung der Holländer und Inbesitznahme der Insel. Die Insel erhält den Namen "Mauritius". 1715 Frankreich erobert von Réunion aus die Insel. Umbenennung in "Ile de France". 1767 Übernahme durch die Französische Krone. Die Insel erlangt Reichtum durch den Zuckerrohranbau. 1810 Übernahme der Insel durch die Briten. Der Name der Insel wird nun wieder in"Mauritius" geändert. 1835 Abschaffung der Sklaverei durch die Engländer. Ersatzweise werden Inder als Arbeitskräfte ins Land geholt. 1968 Mauritius erlangt seine Unabhängigkeit von Großbritannien, bleibt jedoch im Commonwealth und behält somit Königin Elisabeth II. als Staatsoberhaupt. 1992 Mauritius wird Republik.
Bevölkerung / Religion · Einwohner Die größte Bevölkerungsgruppe stellen mit 66 % die Südinder - davon 50 % Hindus und 16 % Mohammedaner - dar, die als billige Arbeiter nach dem Ende der Sklaverei ins Land geholt wurden. Einen weiteren großen Anteil (30 %) repräsentieren Afrikaner und Kreolen (Mischlinge aus Europäern, Afrikanern und Indern). Den geringsten Anteil bilden mit 3 % die Chinesen - die interessanterweise zu 50 % katholisch sind - und die Europäer (1,5 %). · Sprache Die offizielle Sprache in Wirtschaft, Handel und Tourismus ist Englisch; die gesellschaftsfähige Sprache der Gebildeten jedoch Französisch. Untereinander verständigen sich alle in Kreole, ein vom Französisch abgeleiteter Dialekt, der für Außenstehende schwer zu verstehen ist.
Sitten / Gebräuche / Feste · Maha Shivaratree Das größte Hindu-Fest außerhalb von Indien findet jedes Jahr im Februar oder März statt, wenn Zehntausende, ja Hunderttausende Hindus zu Ehren des Gottes Shiva zu den Ufern des Kraters "Grand Bassin" wallfahren, dessen Wasser ebenso heilig sein soll, wie das des Flusses Ganges in Indien. Wenn sich die Hindus für etwas bedanken wollen, z. B. ein neugeborenes Kind, zünden sie kleine Brennsteine an, die sie auf Mangoblätter ins Bassin setzen. Nach dem Glauben der mauritianischen Hindus finden diese dann den Weg in die heiligen Wasser des Ganges. - Wen kümmert es, dass das mit Blumenopfern und Blättern gefüllte Bassin gar keinen Ausfluss besitzt. Lust und Leid liegen bei diesem Religionsmarathon in 700 m Höhe nah beisammen, doch zum Glück trägt dieses Fest noch keinen touristischen Stempel, so dass es ungestört durchgeführt werden kann. · Cavadee der Hindus Dieses Hindu-Fest Anfang Februar bietet einen furchterregenden Anblick: Gläubige Männer, deren Körper von Nadeln durchbohrt ist und in deren Wangen und Zungen Spieße stecken quälen sich unter der Last des geschmückten Cavadee, eines hölzernen Jochs.Zu Ehren von Subramanya, dem zweiten Sohn ihres Gottes Shiva, muss ein Topf Milch ungeronnen zum Tempel gebracht werden. · Teemeedee Dieses Fest der Tamilen, das seinen Höhepunkt in einem Feuerlauf hat, geht ein zehntägiges Fasten voraus. In dieser Zeit sollen die Teilnehmer völlig gereinigt werden. Für die Erfüllung wichtiger Wünsche wird dem Gott versprochen, ein, zwei oder sogar fünf Jahre über die glühenden Kohlen zu gehen.Bei der eigentlichen Zeremonie sind die Gesichter starr oder schmerzverzerrt. Der Tritt am Ende des Feldes in eine mit Wasser und Milch gefüllte Grube wird als große Erlösung empfunden. Jetzt kann das angespannte Schweigen wieder gebrochen werden. · Thai-Pongal-Shankranty Das indische Erntedankfest findet im Februar statt. Zu diesem Anlass kaufen sich die Mauritianer neue Kleider. · Père Laval Die Katholiken pilgern am 09. September zum Grab von Père Laval, der sich 23 Jahre um die schwarzen Sklaven bemüht hat und an diesem Tag im Jahre 1864 nach einem frommen Leben in Einfachheit starb.An seinem Grab wurden schon verschiedene Wunderheilungen vollzogen. · Ganga Asnan Bei diesem indischen Fest im November pilgern die Teilnehmer zum Meeresufer um ein rituelles Bad zu nehmen.Eigentlich fand dieses Bad im Ganges statt, doch nachdem der Ganges in den Indischen Ozean fließt, berühren seine Wasser auch die Küste von Mauritius. · Deepavali Das Fest der Hindus und Tamilen findet im Oktober statt. An diesem Tag werden Öllämpchen angezündet und in die Fenster gestellt, da das Licht den Sieg des Guten über das Böse symbolisiert. · Holi Das indische Holi-Fest im März entstammt einer indischen Legende, nach der ein Freudenfest inszeniert wurde als eine unbeliebte Tante namens Holika starb. Gefärbtes, in Tüten verpacktes Wasser sowie bunter Puder wird auf die Passanten gesprengt und Glückwünsche werden ausgetauscht. · Séga Die Séga ist die traditionelle Musik der Kreolen auf Mauritius. Sie wurde von den afrikanischen Sklaven erfunden und am Samstag abend gespielt. Einen vorgeschriebenen Text gibt es nicht, jeder kann über seine persönlichen Gedanken, Sorgen und Ärgernisse singen. Manchmal ist die Séga Tanz mit Musik, manchmal aber auch nur ein Lied. Zur Séga gehören die typischen Instrumente (die Ravana - eine Trommel, die Maravan - ein Schüttelbrett, die Triangel und die Gitarre). Genauso spontan wie die Séga gespielt wird, funktioniert auch die Instrumentenwahl. Genommen wird, was gerade vorhanden ist. Wenn die Séga im schnellen Sechsachtel-Takt beginnt, bleiben die Kreolen nicht mehr ruhig auf ihrem Stuhl sitzen. Erst wer es selbst ausprobiert hat, weiß wie schwer es ist, die Hüften zu kreisen und dabei in kleinen Schritten zur Seite zu gehen. · afrikanischer Ahnenkult Auf dem Friedhof findet man Spuren eines abgehackten Hühnerkopfes, Blutspuren sind zu sehen. Obwohl die Afrikaner zum größten Teil getaufte Christen sind, betreiben sie noch den traditionellen afrikanischen Ahnenkult. Bei der Zeremonie müssen die Totengeister besänftigt werden, da es nie sicher ist, ob nach dem Tod der Geist des Verstorbenen gut oder böse wird. Verstirbt ein Angehöriger, müssen im Haus bestimmte Vorkehrungen getroffen werden (die Spiegel werden verhängt, eine Totenwache wird gehalten), da die Totengeister über die Lebenden entscheiden. Oft wird eine Séga gesungen, die die Geister versöhnen soll und nach der Beerdigung werden die Möbel verrückt, damit sich der Geist bei einer eventuellen späteren Rückkehr nicht mehr zurecht findet. Für die Vermittlung zwischen den Geistern und den Lebenden sind bestimmte Personen zuständig (die traitèrs und sorciers), die die Geister durch Opfergaben besänftigen um das Böse abzuwenden. Der sorciers beherrscht auch gefährliche Praktiken, was bis zum Wünschen des Todes eines Menschen reichen kann. Die Verbindung mit dem Voodoo-Kult ist hier unverkennbar. Durch den engen Zusammenhang mit dem Aber- und Geisterglauben erfreut sich auch das Sternenhoroskop und die Zukunftsvorhersage einer großen Beliebtheit. Die bekannteste Astrologin ist eine Chinesin, bei der die Menschen in Port Louis Schlange stehen.
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